Pflege alter Tierrassen erfordert viel Engagement


Auf dem Gelände des Steinzeitparks Dithmarschen (AÖZA) können Besucher zahlreiche alte Nutztierrassen bestaunen. Sinn und Zweck dieser Tierhaltung ist einmal die Landschaftspflege und zum Anderen die Erhaltung der vom Aussterben bedrohten alten Haustierrassen. 
Schon in der Steinzeit begann der Mensch diese Tiere zu domestizieren, um sie für sich in vielfältiger Weise nutzbar zu machen. Nachweisbar sind neben dem Hund Rinder, Schafe, Ziegen und Pferde. 
Aus diesem Grund beleben zwei Parkrinder, sechs Vielhornschafe, zwei Soyaschafe, sieben Juan-Fernandez-Ziegen sowie Pferde, unter anderen Shetlandponys, das AÖZA-Gelände. Imposant sind die Parkrinder mit ihren ausladenden Hörnern. Der Bulle Heros hat eine geschätzte Hornlänge, die gut und gerne 1,50 Meter je Seite beträgt. Die Kuh Lotta liegt mit den Maßen nur ein wenig darunter. Nachvollziehbar ist die Rassegeschichte der Parkrinder bis in die Keltenzeit (800 – 600 v. Chr.) hinein. Die Vielhornschafe, oft auch Jakobsschafe genannt, beeindrucken mit vier bis sechs Hörnern auf ihrem Haupt. Beide Geschlechter sind behornt. Schon in der Bibel wird diese Schafrasse erwähnt, die ursprünglich aus Arabien stammt. Das Soyaschaf zählt ebenfalls zu den sehr alten Haustierrassen. Das meist braun gefärbte Tier ist kurzwollig und musst nicht geschoren werden. Die Hörner des Bockes sind auffallend kreisförmig, die des weiblichen Tieres eher sichelförmig gewachsen. Aus verwilderten Hausziegen, die im 16. Jahrhundert auf Inseln vor Chile ausgesetzt wurden, hat sich eine eigene Rasse gebildet: die Juan-Fernandez-Ziege. Diese kleinen, munteren Tiere sind rotbraun gefärbt und gelten als gute Kletterer und Springer. Die Böcke tragen ein sehr imposantes Gehörn. 
Alle Tiere im AÖZA-Park sind ihrer Rasse entsprechend äußerst robust und leben artgerecht ganzjährig im Freien. Außerdem sind sie sehr genügsam, was aber nicht heißen will, dass in den Wintermonaten eine Zufütterung unabdingbar ist. Die Pflege dieser alten Haustiere hat vor zehn Jahren der Förderverein AÖZA übernommen. Auch wenn es den Anschein erweckt, dass die Rinder, Schafe, Ziegen und Pferde aufgrund ihrer Rasse sehr pflegeleicht sein müssten, ist dies längst nicht der Fall. Genau wie bei jeder anderen Tierhaltung in der Landwirtschaft auch, werden bei jedem Tier regelmäßig die erforderlichen tiermedizinischen Untersuchungen einschließlich Klauenpflege vollzogen und, wenn nötig, wird behandelt. 
Ständig sind die Vorrichtungen für eine vorschriftsmäßige Weidehaltung zu kontrollieren. Das ist auch oft mit Reparaturen verbunden. Die Schutzhütten und Futterraufen der Tiere sind regelmäßig zu reinigen. 
So ist es nicht verwunderlich, dass nur für Tierarzt- und Materialkosten jährlich rund 2.500 Euro anfallen, die der Förderverein schultern muss. Eng verknüpft mit der Haltung und Pflege der Tiere ist die Familie Trube. Mindestens drei Mal täglich wird der Tierbestand von ihr kontrolliert. Besonders aktiv ist Branca Trube. Sie übernimmt vor allem in den Wintermonaten die Fütterung, die zwei Mal am Tag durchgeführt wird. Das erledigt sie morgens vor Arbeitsbeginn und abends, wenn sie von der Arbeit zurückkehrt. Dabei werden alle Tiere regelrecht von ihr bemuttert, was die Vierbeiner sichtbar für jedermann, zu schätzen wissen. Das ehrenamtliche Engagement der Branca Trube für dieses Projekt im AÖZA und die beispielhafte Tierliebe sind getrost als beispielhaft zu bezeichnen. Aber auch Vater Manfred, Vorsitzender des Fördervereins, ist unermüdlich bestrebt, den Tierbestand nicht nur gesund zu erhalten, sondern ihn in seiner Vielfältigkeit zu festigen. Auch denkt er über eine mäßige Erweiterung des Bestandes nach. So ist er guter Dinge, dass die Parkrinder im kommenden Jahr mit einem weiblichen Tier verstärkt werden können. 
Um dieses alles zu realisieren, ist man auf Spenden angewiesen. Auch können die Nebenkosten für die gesamte Unterhaltung des Tierbestandes wie Versicherung, Material und Tierarzt nur mit Hilfe von Spenden finanziert werden. Deshalb bittet der Förderverein auch weiterhin um Spenden. Jeder Betrag ist willkommen, auch die kleinste Summe. Unter dem Stichwort „Spende Steinzeittiere“ kann die Spende bei der Sparkasse Westholstein unter der Kontonummer 200 157 56, Bankleitzahl 222 500 20, eingezahlt oder überwiesen werden.


Text und Fotos: Ernst Schatt