Feuer als Experiment im Steinzeitpark


Brandbestattung im Steinzeitpark Dithmarschen

Rund um das Steinzeitdorf herrscht dicker Novembernebel. Es weht kein Wind und das Gras ist nass. Trotzdem liegt Brandgeruch in der Luft. Die erste Reaktion: Im Steinzeitpark Dithmarschen (AÖZA) wurde Feuer gelegt. So ganz abwegig ist die Annahme des sonst eher frevelhaften Tuns nicht, denn es brannte tatsächlich, allerdings kontrolliert.
An diesem Tag wurde ein neuer Brandrodungsversuch und eine experimentelle Brandbestattung im Steinzeitpark unweit des Steinzeitdorfes, durchgeführt. Mit dem Experiment Brandbestattung will der Leiter des AÖZA, Dr. Rüdiger Kelm ermitteln, welche Rahmenbedingungen für die Scheiterhaufenverbrennung von Bedeutung sind. 
Sorgfältig ist der Scheiterhaufen mit Laubholz aufgeschichtet. Er wird umrandet von einem Gerüst aus Buchenholz, dass rund 2 Meter mal 1 Meter breit und circa 1,50 Meter hoch ist. Darauf wurde dann von unseren Vorfahren der zu verbrennende Leichnam gebettet. Nach dem Anzünden entwickelt sich schnell eine starke Hitze. Für das Brandexperiment im AÖZA verwendet man Tierknochen von Schlachtabfällen. Nach dem Erkalten der Asche werden die Verbrennungsreste der Knochen sorgfältig untersucht. Dr. Rüdiger Kelm hofft, so Vergleiche mit der Asche in den Urnen aus vorchristlicher Zeit, die in Dithmarschen gefunden wurden, ziehen zu können. 
Erste Brandbestattungen tauchen im 6. bis 3. Jahrtausend v. Chr. vereinzelt auf, ab dem 13. bis 5. Jahrhundert v. Chr. dann vermehrt. Seit der späten Bronzezeit ist eine Leichenverbrennung in ganz Europa verbreitet. Funde belegen, dass sich an den Brennplätzen in der Regel die Urnenfelder anschlossen. Das Ergebnis des Experiments wird in die Ausstellung „Urnenfunde aus Dithmarschen – Geschichte der Brandbestattung“, integriert. Zu sehen ist die Ausstellung noch bis zum 25. März 2012 im Museum für Archäologie und Ökologie Dithmarschen in Albersdorf. 
 











Brandrodung im Steinzeitpark Dithmarschen

In Absprache und Kooperation mit der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein galt es in einem weiteren Experiment herauszufinden, wie gut ein durch Brand gerodeter und mit Asche gedüngter Ackerboden für eine ackerbauliche Nutzung geeignet ist. Vermutlich in der Jungsteinzeit ist diese Methode in Norddeutschland für die Öffnung der Landschaft bereits regelmäßig angewandt worden. Dies belegen Forschungen des Kieler Ökologiezentrums, die auch im Raum Albersdorf Brandrodungen für die Zeit vor über 5000 Jahren nachweisen. 
Auf einer Fläche von circa 8 x 10 Meter wurde eine sogenannte Feuerwalze, bestehend aus brennbarem Geäst, angelegt. Trotz der widrigen Wetterverhältnisse konnte das Feuer problemlos entfacht werden. Unaufhaltsam fraß sich die Glut Meter um Meter voran. Die Feuerwalze wurde mit großen steinzeitlichen Holzhaken so gelenkt, dass die vorgesehene Fläche optimal brandgerodet wurde. Am Ende entstand ein großes Viereck, dass mit gut zehn Zentimeter Holzasche bedeckt war. Die Asche ergibt den Dünger für ein Saatbeet. 
Hanno Bitter von der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein: „In einigen Tage bringen wir alte Wintergetreidesorten ohne weitere Bodenbearbeitung ein. Bis Dezember hat dieses Ur-Getreide gekeimt und erste grüne Spitzen sind zu sehen.“ Durch das Feuer werden Wildkräuter weitestgehend vernichtet. Die Asche und holzkohleartigen Überbleibsel erwärmen sich im Frühjahr schneller und strahlen nachhaltig Wärme aus. Dieses fördert den Wuchs des eingebrachten Getreides. Neu keimende Wildkräuter haben so kaum eine Chance, das Gedeihen der Nutzpflanzen zu beeinträchtigen. Erfahrungen haben gezeigt, dass der Ertrag von einer durch Brandrodung nutzbar gemachten Ackerfläche durchaus mit den heutzutage erzielten Mengen mithalten kann. 













Fotos und Text: Ernst Schatt